Mein Name ist Verena. Ich kümmere mich ums Lehrwerk. Mit der Antwort auf die Frage nach meinem Beruf tue ich mir allerdings ein bisschen schwer.

Auf meinen Zeugnissen steht, ich sei Linguistin und Romanistin. Meine Schüler_innen sehen mich wohl eher als Lerncoach. Vormittags bin ich hauptsächlich Trainerin für Deutsch als Fremdsprache. Oder Basisbildnerin. Zwischendurch auch immer wieder mal Texterin. Meistens aber einfach nur ein Wirbelwind.

Eines steht fest: Ich tue nie zweimal dasselbe, aber alles mit Leib und Seele. Mit der Eröffnung des Lehrwerks im September habe ich für dieses Tun einen eigenen Raum geschaffen.

Ich habe selbst mein Leben lang gelernt und geschrieben. In der Schule in Frankreich, während des Studiums in Québec, eine Zeit lang in Großbritannien, am längsten in Wien.

Wahrscheinlich schreibe ich deshalb so gern. Durch das Schreiben lernen wir. Das Schreiben zwingt uns, in ein Thema einzutauchen, es in seine Einzelteile zu zerlegen und es schließlich wieder so zusammenzubauen, dass es für uns selbst-verständlich wird.

Am schönsten lässt es sich erklären, wenn man auf der Ebene zwischen den Sprachen sucht:

Der doppelte Wortsinn des französischen Ausdrucks apprivoiser deutet darauf hin, dass Lernen bei Weitem kein gewaltsamer Akt ist, durch den die Beherrschung eines Stoffs erreicht werden kann. Die „Zähmung“ einer widerspenstigen mathematischen Formel, einer scheinbar unnötigen grammatikalischen Unregelmäßigkeit, einer verkorksten soziologischen Theorie besteht darin, sie zu begreifen, sich Zeit zu nehmen, sie kennenzulernen, sie in unsere Vorstellungen aufzunehmen. Mit anderen Worten: Jede wilde Idee lässt sich zähmen, indem wir sie uns vertraut machen.

Skeptiker_innen lesen einfach im „kleinen Prinzen“ nach.

Neugierige kommen gleich vorbei und lassen sich davon überzeugen, wie schön das Lernen im Lehrwerk ist.