In den letzten Jahrzehnten hat sich unser wissenschaftliches und gesellschaftliches Verständnis von Geschlecht grundlegend gewandelt. Das Spannungsverhältnis zwischen Frau und Mann wird zunehmend von der Einsicht in eine weitaus komplexere Geschlechtervielfalt abgelöst. Unser Sprachgebrauch hinkt dieser Entwicklung jedoch weit hinterher.

Seit vielen Jahrzehnten versuchen diverse Kurzschreibungen und innovativere Formen, sprachliche Lücken zu füllen. Doch welche Formen füllen welche Lücken? Und wie entscheide ich mich für die passende Form? (Damit ich nicht unabsichtlich die herrschende Geschlechterordnung bestätige?)

In dieser Artikelreihe erkläre ich dir fünf Grundsätze für geschlechterbewusste Kommunikation. In Teil 2 der Reihe geht es um Genderzeichen: Warum brauchen wir sie? Wofür stehen sie? Und wie setzen wir sie richtig ein?

Ertappt!

Hände hoch, wer‘s kennt: Eigentlich wollten wir in der Mittagspause nur schnell die Nachrichten checken. Nun ist es 15:30 Uhr und wir stecken in den Untiefen einer virulenten Kommentarspalte zum Thema „Gender(wah?)n“ fest, aus der wir nicht mehr heraus können (und/oder wollen?).

Dabei wäre es so einfach: Irgendwo zwischen der Betreffzeile und dem dritten Wort hört es für gewöhnlich auf, um Sprache zu gehen, und wir könnten uns getrost aus der Diskussion ausklinken. Danke, schön war‘s, bis zum nächsten Mal. (Denn, seien wir uns ehrlich, es wird ein nächstes Mal geben.)

Aber nein: Wir argumentieren fröhlich-frustriert weiter. Wir selbst für mehr Flexibilität im Umgang mit Sprache, unser virtuelles Gegenüber gegen den gefühlten Zwang zu “politisch korrekter Sprache”. Was auf den ersten Blick wie eine harmlose Meinungsverschiedenheit aussieht, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als gefährlicher Nährboden für diskriminierende Sprachpraxis — und zwar auf beiden Seiten.

Denn dort, wo wir mit einem konservatives Verständnis von Sprache konfrontiert sind, sind wir immer auch mit einem konservativen Verständnis von Geschlechterverhältnissen konfrontiert. Oder anders: Wer die „Unantastbarkeit“ von Sprache verteidigt, verteidigt auch die „Unantastbarkeit“ der herrschenden Geschlechterhierarchie.

Stars und Sternchen

Besonders deutlich zeigt sich das in der vehementen Ablehnung von Genderzeichen: „Das geht jetzt aber schon ein bisschen zu weit.“ „Habt ihr keine wichtigeren Probleme?“ „Sprachverhunzung!!1!“ Doppelpunkt, Unterstrich, Sternchen und Co. sind jedoch weit mehr als unästhetischer Sprachschnickschnack. Sie sind Verweise auf einen tiefgreifenden Wandel in unserem Verständnis von Geschlecht. Sie stehen nicht nur für geschlechtliche Vielfalt, sondern hinterfragen auch die Funktion von Geschlecht für die Aufrechterhaltung ungleicher gesellschaftlicher Machtverhältnisse. Und das hat für ein partriarchales Weltbild mit klaren Geschlechtergrenzen und einer heteronormativen Geschlechterhierarchie weitreichendere Folgen als eine kleine potentielle Rechtschreibreform. Plötzlich müssen gesellschaftliche Privilegien nicht mehr nur gegenüber Frauen verteidigt werden, sondern auch gegenüber einer Vielzahl „neuer“ Geschlechter. Nur sagen darf man das heute vielerorts (glücklicherweise) nicht mehr. Die aktive Unterdrückung ganzer Gesellschaftsgruppen ist etwas, was man tut, aber nichts, worüber man offen spricht.

Zur Aufrechterhaltung des Status Quo werden diese „neuen“ Probleme („neue“ Geschlechter, Queerness, Sternchen) daher gerne verschwiegen. Sie werden unausgesprochen unter Dinge wie „Gender-Mainstreaming“ oder „Gleichstellung der Frau“ subsumiert. Und futsch ist das Problem. „Sind doch längst alle gleichberechtigt.“ „Gibt ja eh schon die Beidnennung.“ „Nicht mal Frauen wollen das!“ Die Reduktion des Geschlechterdiskurses auf (vermeintlich gelöste) „Frauenfragen“ spielt nicht nur die Wichtigkeit tatsächlicher Anliegen von Frauen herunter, sondern blendet auch die Lebensrealität vieler Menschen, deren Geschlecht nicht in die binären Kategorien „männlich“ oder „weiblich“ eingeordnet werden kann, aus.

Debatten über geschlechtergerechte Sprache dürfen natürlich weiterhin stattfinden. Mehr noch: Sie müssen es sogar. Um jedoch wirklich sinnvoll (und womöglich sogar erfolgreich) argumentieren zu können, musst du wissen, worum es bei Genderzeichen tatsächlich geht.

In diesem Artikel erfährst du also, warum Genderzeichen so wichtig sind, welche Genderzeichen sich im deutschsprachigen Raum durchgesetzt haben und worauf du beim Einsatz von Genderzeichen achten solltest, um auch wirklich geschlechterbewusst zu kommunizieren (und um Internettrollen, die dir deine Mittagspausen rauben, nicht noch mehr Zündstoff zu liefern).

Brauchen wir Genderzeichen? Wenn ja, wie viele?

Was ist nun dran an Genderzeichen? Warum erzürnen sie die Internettroll-Gemüter so?

Dafür gibt es zwei Erklärungsversuche:

Zum einen reihen sich Sternchen und Co. in einen ganzen Haufen linguistischer Strategien ein, die auf inklusiven, nicht-diskriminierenden Sprachgebrauch abzielen (Schülerinnen und Schüler, Studierende, ErzieherInnen, Lehrkräfte etc.). Die (Abwehr-)Reaktion: Jetzt reicht‘s aber einmal! Gibt es denn nichts Wichtigeres? Heute darf man ja gar nichts mehr sagen!

Dabei ist das Gegenteil der Fall: Je mehr Möglichkeiten wir finden, uns inklusiv auszudrücken, desto mehr können wir sagen. Weil wir uns mit unserer Wortwahl in einem gegebenen Kontext präziser ausdrücken können. Aber das ist ein Thema für einen anderen Tag.

Zum anderen ist vor allem der Genderstern eine der fulminantesten Strategien in diesem Haufen. Sowohl seine eklatante Präsenz im Schriftbild als auch seine Bedeutung sorgt regelmäßig für Furore. Denn der Genderstern fällt auf (beim Schreiben im Wortinneren und beim Sprechen als Knacklaut) und macht Menschen sichtbar, die bisher (nicht nur) sprachlich unsichtbar waren: trans*, inter*, nicht-binäre und agender Personen (TINA*s). Unerhört! So was hat es früher nicht gegeben! Das stimmt, typographische Zeichen im Wortinneren gab es früher tatsächlich nicht, TINA*s allerdings schon. Gerade diese Diskrepanz zwischen tatsächlicher Lebensrealität und fehlender sprachlicher Begrifflichkeit wird durch den Einsatz von Genderzeichen zum Ausdruck gebracht.

Spätestens seitdem es inter* Personen in Deutschland und Österreich möglich ist, ihr Geschlecht in persönlichen Dokumenten als „inter“, „divers“ oder „offen“ einzutragen (mehr Infos hier), ist geschlechterbewusste Kommunikation ohne Genderzeichen nicht mehr vorstellbar.

Mittlerweile haben wir im deutschsprachigen Raum jedoch die Qual der Wahl: Genderstern, Gendergap, Binnen-I? Welches Genderzeichen soll ich verwenden? Hier eine kleine Entscheidungshilfe.

Welche Genderzeichen gibt es im deutschsprachigen Raum?

Klammer, Schrägstrich, Binnen-I

Das Binnen‑I lässt sich auf die zweite Welle des Feminismus in den 1970er Jahren zurückführen. Damals rückte in der feministischen Linguistik die Problematik des generischen Maskulinums in den Blick, das Frauen sprachlich unsichtbar macht. Aktivistinnen und Sprachkritikerinnen forderten daher die Sichtbarmachung und gleichberechtigte Abbildung von Frauen in der Sprache.

Als Urheber des Binnen-I gilt jedoch ausgerechnet ein Mann, nämlich der Journalist Christoph Busch. Anfang der 1980er schrieb er in einem Buch über Freie Radios von HörerInnen statt, wie bisher üblich, von Hörer/-innen. Seine Entscheidung begründete er mit Bequemlichkeit: Der Schrägstrich „verschmilzt“ quasi mit dem kleinen i zum großen. Angenehmer Nebeneffekt: „Trennung und Verbindung auf einen Str(e)ich“.

Das große I in BürgerInnen und anderen Personenbezeichnungen symbolisierte einen bewussten Bruch mit traditionellen, patriarchal geprägten Sprachkonventionen. Es war Teil eines umfassenderen gesellschaftlichen Diskurses, der nicht nur auf die sprachliche, sondern auch auf die strukturelle Gleichberechtigung abzielte.

Das Binnen‑I wurde früheren Kurzschreibweisen wie jener mit Klammer (Student(innen)) oder mit Schrägstrich (Student/-innen) vorgezogen, weil es Frauen nicht mehr als „Anhängsel“ des Mannes darstellt. Es war lange Zeit fixer Bestandteil geschlechtergerechter Schreibweise im deutschsprachigen Raum, wird heute jedoch oft von anderen Genderzeichen abgelöst, weil es in seiner ursprünglichen Bedeutung nur auf Männer und Frauen verweist.

Gendergap

Die Gendergap, die orthographisch als Unterstrich zwischen dem maskulinen Stamm und der femininen Endung -in(nen), tauchte in den frühen 2000ern als nicht-binäre Alternative zum Binnen-I auf. Die „Erfindung“ des Gendergaps wird häufig Sozialpsycholog_in Steffen Kitty Herrmann zugeschrieben. 2003 verglich Herrmann die durch den Unterstrich entstehende Lücke im Wort (Student_innen) mit der „Verräumlichung des Unsichtbaren“ — jenen Platz in der binären Geschlechterordnung, in den die Sprache noch nicht vorgedrungen ist.

Während das Binnen‑I ausschließlich auf die Sichtbarmachung von Frauen abzielte, suchte man mit der Gendergap nach einer Variante, die nicht nur binäre Geschlechter abbildet, sondern auch trans*, inter* und nicht‑binäre Identitäten explizit mit einbezieht.

Diese Variante fand in feministischen und queeren Kreisen, vor allem an Universitäten und deutschsprachigen Publikationen schnell Anklang, weil sie einerseits den Lesefluss weniger stark beeinträchtigt als das Binnen‑I und andererseits als Zeichen der Inklusivität und Sichtbarkeit marginalisierter Geschlechtsidentitäten verstanden werden kann.

Genderstern

Im Gegensatz zum Binnen-I und zur Gendergap ist die Entstehungsgeschichte des Gendersterns diffuser. Der Asterisk, wie er in der Fachsprache genannt wird, vor der weiblichen Endung in einer Personenbezeichnungen (Student*innen) entwickelte sich in einem kollektiven Prozess innerhalb feministischer, queerer und sprachkritischer Aktivist*innen.

In der Informatik dient der Asterisk u. a. als sogenannte Wildcard, als Platzhalter quasi für eine beliebige Zeichenkette. Wir kennen diese Funktion auch im Alltag, wenn wir in Suchmaschinen zum Beispiel nach Gender* suchen und uns die Maschine Suchergebnisse zu den Themen Gender-Mainstreaming, Genderwahn und Gendern ausspuckt. Der Stern wurde in diesem Fall mit den Zeichenketten Mainstreaming, Wahn und -n ersetzt.

Diese Platzhalterfunktion erfüllt der Asterisk auch in den trans*-Communities. Hier soll es bereits seit den 1990er-Jahren Platz für verschiedene Geschlechtsidentitäten jenseits der beiden binären Geschlechter Mann und Frau lassen.

Seit den frühen 2010er-Jahren wird der Stern, zunächst im Hochschul- danach auch im Verwaltungs- und in anderen Bereichen, als weitere inklusive Schreibweise zur Berücksichtigung nicht-binärer Geschlechter verwendet.

Diesmal diente neben dem wissenschaftlichen und bürokratischen Sprachgebrauch auch die Verschiebung öffentlicher Kommunikation in den schnelllebigen digitalen Raum als zentraler Multiplikator dieser geschlechterinklusiven Schreibform. Über Blogs, traditionelle und soziale Medien sowie diverse Foren und Kommentarspalten verbreitete sich der Genderstern sehr rasch. Er wurde zum allgegenwärtigen Symbol für Geschlechtervielfalt — und in einer Zeit großer gesellschaftspolitischer Instabilität, in der sich nicht nur politische sondern auch soziale Ordnungskategorien zunehmend auflösen oder verschieben, auch zum Angriffspunkt rechtspopulistischer bis -radikaler Akteur*innen. Aber das ist eine Geschichte für einen anderen Artikel.

Genderdoppelpunkt

Eine noch relativ neue Form des geschlechtergerechten Schreibens ist der Genderdoppelpunkt, der im Wortinneren an der gleichen Stelle wie Gendergap und Genderstern auftritt (Student:innen).

Auch beim Genderdoppelpunkt handelt es sich nicht um eine Erfindung einer einzelnen Person oder Institution, sondern um das Ergebnis eines kollektiven Innovationsprozesses von Wissenschaftler*innen, Journalist*innen und Aktivist*innen, die auf die Limitierungen früherer Formen reagierten.

Häufig wird der Doppelpunkt als „unauffälligere“ (und unpolitischere) Alternative zum Asterisk gewählt, weil er das Schriftbild (subjektiv) weniger stört. Außerdem wird er oft (wenn auch nicht immer) als barrierefreiere Variante zum Genderstern und anderen Genderzeichen vorgeschlagen. Zur Komplexität zu barrierearmer geschlechtergerechten Sprache siehe zum Beispiel hier.

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Wir blicken heute bereits auf eine 50 Jahre lange gesellschaftliche Debatte rund um geschlechtergerechten Sprachgebrauch zurück. Genderzeichen bzw. der innovative Gebrauch der deutschen Schriftsprache sind von Beginn an zentraler Bestandteil dieser Debatte. Bis heute bleibt jedoch die sogenannte Sparschreibung mit Schrägstrich (Student/-innen), die seit den 1970ern stark kritisiert wird, neben der expliziten Nennung von Frauen in der Doppelnennung (Studentinnen und Studenten) die einzige vom deutschen Rechtschreibrat als „korrekt“ ausgewiesene Variante, das generische Maskulinum durch inklusivere Bezeichnungen zu ersetzen. Die Mühlen der (deutschen) Orthographie mahlen langsam.

In den letzten Jahrzehnten hat sich unser wissenschaftliches und gesellschaftliches Verständnis von Geschlecht jedoch grundlegend gewandelt. Auch wenn weiterhin in vielen Teilen der Erde zwischen zwei Geschlechtern — männlich und weiblich — unterschieden wird, lässt sich diese Unterteilung nicht mehr allein auf biologische Kriterien stützen. Sprachlich wurden dieser Raum für „Uneindeutigkeiten“ in der Geschlechtszuordnung in den vergangenen Jahrzehnten zunehmend in diversen Genderzeichen sicht-(und hör-)bar.

Kognitionslinguistische Studien deuten darauf hin, dass ein gezielter Einsatz des Sternchens die intendierte Wirkung (das Sichtbarmachen von TINA*s) unterstützen kann.

Unser Sprachgebrauch — einschließlich unserer Rechtschreibung — hinkt dieser Erkenntnis weit hinterher. Das ist nicht ungewöhnlich, sollte uns aber beim Sprechen über Geschlechter(verhältnisse) bewusst sein. Denn: Die neuen sprachlichen Formen schaffen nur dann auch neue Perspektiven, wenn wir sie auch klar und deutlich zur Abbildung dieser Perspektiven einsetzen.

Daher lautet der erste Grundsatz von geschlechterbewusster Kommunikation: Setze Genderzeichen bewusst ein. Oder anders: Setze Genderzeichen ein! Und vermeide dabei folgende zwei Fehler. (Anstatt dich auf thematisch entgleiste Diskussionen im Netz einzulassen.)

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Weniger ist mehr!

Genderzeichen sind (noch) „Fremdkörper“ in deutschsprachigen Texten. Das ist keine Schwäche, sondern ihre große Stärke. Genderzeichen sollen Aufmerksamkeit erregen. Vermeide daher, Genderzeichen wahllos zu streuen. Wenn du sie strategisch klug in deinem Text einbaust (etwa in der Einleitung, im Fazit oder an Schlüsselstellen), kannst du im Rest des Textes für gewöhnlich (auch) auf andere geschlechterbewusste Strategien zurückgreifen (siehe unten), ohne dass die inklusive Wirkung des Gesagten/Geschriebenen verlorengeht.

Bonus: Je weniger Gendersterne du verwendest, desto weniger Gedanken musst du dir darüber machen, ob du gerade dabei bist, „unsere schöne deutsche Sprache zu verschandeln“. (Unter uns: Genderzeichen „verschandeln“ die deutsche Sprache sowieso nie.)

Beachte den Kontext!

Der Genderstern — genauso wie die Gendergap oder der Genderdoppelpunkt — stehen für trans*, inter*, non-binäre und agender Menschen. Oder anders: Gendersterne stehen nicht für Frauen. In Gruppen, die ausschließlich aus Männern und Frauen bestehen, ist der Einsatz von Genderzeichen also (theoretisch) fehl am Platz.

Ein Beispiel:

Das Tagungsmaterial wird an die Abteilungsleiter*innen weitergeleitet.

Die Verwendung des Gendersterns ist in diesem Satz nur dann korrekt, wenn sich a) mindestens eine nicht-binäre Person unter den Abteilungsleiter*innen befindet oder b) ich nicht mit Sicherheit weiß, ob sich in der Gruppe der Abteilungsleiter*innen nicht-binäre Personen befinden.

Wenn meine Organisation also genau drei Abteilungen hat und ich weiß, dass sich alle drei leitenden Personen im binären Geschlechtersystem verorten, kann ich hier zum Beispiel auf die Doppelnennung (Abteilungsleiterinnen und -leiter) oder das Binnen-I zurückgreifen (AbteilungsleiterInnen), das nur auf Frauen und Männer verweist.

Je größer die von mir angesprochene Gruppe ist bzw. je weniger ich über diese Gruppe weiß, desto schwieriger wird es für mich, diese beiden Fragen (mit Gewissheit) zu beantworten.

Ich persönlich nehme es mit dieser Regel also nicht ganz so genau. Mein Motto: Lieber ein Genderstern zu viel als zu wenig. Ich tendiere im Zweifelsfall (Stichwort:) bewusst zum Genderstern, einfach weil ich in vielen Fällen nichts über die Geschlechtsidentität der Menschen weiß, mit denen oder über die ich spreche, und daher keine falschen Annahmen machen möchte.

Eine weitere Möglichkeit, dieses Problem zu umgehen, sind geschlechtsneutrale Ausdrücke wie leitende Personen, Abteilungsleitung oder Leitungsebene. In kleinen Organisationen (wie in meinem Beispiel oben) könnte auch die namentliche Nennung der mit der Leitung der Abteilungen beauftragten Personen eine sinnvolle, und durchaus auch erfrischend persönliche, Alternative sein.

Fazit

Wenn Onkel Herbert auf der nächsten Familienfeier also wieder mal mit „Ich brauch doch keine Genderzeichen, um Frauen sichtbar zu machen!“ polemisiert, können wir guten Gewissens mit „Da geb‘ ich dir völlig recht.“ antworten. Dadurch ersparen wir uns nicht nur die leidige Diskussion, sondern vermeiden es auch, seine eingeschränkte Sichtweise durch unsere Diskussionsbereitschaft zu validieren.

Geschlechterbewusste Sprache ohne Genderzeichen ist 2025 nicht mehr vorstellbar. Sie stehen aber tatsächlich nicht für Frauen. Sie weisen auf geschlechtliche Diversität jenseits der binären Kategorien Mann und Frau hin. Das kann ich Onkel Hubert natürlich sagen, werde damit erfahrungsgemäß aber auf noch größeres Unverständnis stoßen. Was kann ich also stattdessen tun?

Sprache und Sprachgebrauch hinken gesellschaftlichem Wandel immer weit hinterher. Damit neue sprachliche Formen auch neue Perspektiven ermöglichen, müssen wir diese Formen selbst bewusst einsetzen. Und zwar so, dass sie zum einen ihre Signalwirkung entfalten können und sich zum anderen konkret auf jene Menschen beziehen, die sie sichtbar machen sollen — nämlich TINA*s.

Nur so können Genderzeichen den Diskurs über Geschlechtergerechtigkeit tatsächlich bereichern. (Und irgendwann hat’s dann hoffentlich auch Onkel Herbert kapiert. Oder auch nicht.)

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In diesem Sinne frohes (Gender-)Zeichensetzen und bis zum nächsten Mal,

deine Verena